„Ich kam nicht als Touristin, und ich kehre nicht als Besucherin zurück. Einst überschritt ich die Grenze mit nur tausend Forint in der Tasche und Angst im Herzen - doch Budapest hat mich nicht verschlungen, es hat mich zum Leben erweckt. Begleiten Sie mich dorthin, wo das Kopfsteinpflaster Geschichten erzählt und jeder Bissen eine Erinnerung hütet.“
Am nächsten Morgen brach ich ins Ungewisse auf. Buchstäblich. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich fuhr, was mich erwartete oder was genau ich arbeiten sollte. Ich wusste nur eines: In Győr würde man mich am Bahnhof erwarten, ich bekäme eine kostenlose Unterkunft und die Arbeit läge in der Landwirtschaft. Es war Mitte Februar. Ich dachte mir: Was soll schon schiefgehen? Wahrscheinlich Gewächshäuser und Gemüse - das hatte ich als Kind bei Verwandten auf dem Land schon gemacht, das wird kein Problem sein. Damals war die Welt noch eine andere; es kam mir nicht in den Sinn, dass mir etwas Schlimmes zustreßen könnte. Heute, da ich sehe, wie sich die Welt verändert hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich diesen gewagten Schritt noch einmal wagen würde.
Man erwartete mich am Bahnhof in Győr und brachte mich in einen Vorort zu einem riesigen, wunderschönen Haus. Ich war erleichtert: Der offensichtliche Reichtum strahlte Sicherheit aus. Doch im Hof stand ein seltsames, riesiges schwarzes Folienzelt. An einer Seite klaffte ein dunkler Eingang, in den man nicht hineinsehen konnte; drinnen war es stockfinster. So etwas hatte ich in meinem Leben noch nie gesehen und konnte mir nicht vorstellen, was dort angebaut wurde.
Meine Unterkunft war eine kleine Wohnung, die aus einem Nebengebäude umgebaut worden war. Alte Möbel, zwei Betten, aber es war warm und relativ gemütlich. Schnell suchte ich ein Geschäft in der Nähe, um von meinem restlichen Geld ein Überlebenspaket für die erste Woche zu kaufen. Ich wusste, dass ich nicht viel Zeit haben würde, denn man teilte mir mit, dass die Arbeit nachts beginnt. In meinem Korb landeten nur ein Liter Milch, eine Packung Schmalz und zehn Brötchen. Sonst nichts.
Obwohl das Kochen zu Hause meine Sprache der Liebe war und ich an herzhafte, ungarische Hausmannskost gewöhnt war, musste ich nun mit Schmalzbrot vorliebnehmen. Als ich zurückging, stieg mir der Duft eines nahen Lángos-Standes in die Nase. Damals war er noch nicht so teuer wie heute, aber für mich bedeuteten diese paar Forint das Überleben. Für eine Tasse guten, aromatischen Kaffee hätte ich alles gegeben.
Dann lüftete sich das Geheimnis: Die schwarzen Zelte bargen Champignons. Meine Aufgabe war das Pilzesammeln. Damals ahnte ich noch nicht, dass das, was anfangs wie „nur ein Job“ aussah, bald zu einem wahren Albtraum werden sollte.
„Denn Budapest ist mehr als nur ein Ziel: Budapest ist ein Gefühl. Kommen Sie, lassen Sie uns gemeinsam sehen, was hinter der nächsten Ecke liegt.“