„Ich kam nicht als Touristin, und ich kehre nicht als Besucherin zurück. Einst überschritt ich die Grenze mit nur tausend Forint in der Tasche und Angst im Herzen - doch Budapest hat mich nicht verschlungen, es hat mich zum Leben erweckt. Begleiten Sie mich dorthin, wo das Kopfsteinpflaster Geschichten erzählt und jeder Bissen eine Erinnerung hütet.“
Ich wurde in Großwardein (Oradea), Siebenbürgen, in einer ungarisch-schwäbischen Familie geboren, in der am Küchentisch drei verschiedene Kulturen miteinander verschmolzen. Schon als Kind atmete ich die schwäbische Präzision und den ungarischen Elan ein, und später kam durch meinen Lebensgefährten auch die Leidenschaft der Rumänische-Kultur in meinen Alltag. Ich erlebte die Revolution, spürte den Schmerz über die gefallenen jungen Menschen und hoffte, wie alle anderen, auf die Stunde der Freiheit und Demokratie.
Doch das Leben schreibt oft seine eigenen Gesetze. Im Jahr 2002 erstickten mich die Schulden fast. Ich war 31 Jahre alt, als ich an einem Februartag, kurz nach meinem Geburtstag, vor dem Nichts stand. Mit einer einzigen Telefonnummer in der Tasche und exakt 1.000 ungarischen Forint machte ich mich auf den Weg ins Ungewisse. Budapest war das Ziel, doch mein Herz hatte eine einzige Bedingung: Überall, nur nicht dort.
Ich hatte Angst vor dem Lärm, der Hektik und der vermeintlichen Kälte einer Großstadt, von der ich glaubte, sie würde meine Seele erdrücken. Ich dachte mir, wenn ich keine Arbeit fände, würde ich eben auf dem Boden des Ostbahnhofs (Keleti pályaudvar) schlafen und abwarten, was passiert. Ich war entschlossen, denn ich hatte nichts mehr zu verlieren.
In dem Moment, als der Zug in die gewaltige Halle einfuhr und ich diesen typischen Geruch von Eisen, Geschichte und Leben einatmete, ahnte ich noch nicht, dass ich gerade im Paradies angekommen war. Für die nächsten acht Jahre sollte diese Stadt mein Zuhause werden. Innerhalb weniger Monate gelang es mir, mein Leben zu ordnen, und mein Partner konnte mir endlich folgen. Von da an widmeten wir jede freie Minute der Entdeckung der Stadt. Wir lernten Straßen, Geschmäcker und verborgene Hinterhöfe kennen, die selbst die meisten gebürtigen Budapester nie wahrgenommen haben.
Budapest hat mich gefangen genommen. Nicht durch klassische Postkarten-Schönheit, sondern durch diese ungreifbare Energie - diesen pulsierenden „Flow“, vor dem ich mich einst so gefürchtet hatte. Heute lebe ich in einer ruhigen, malerischen Kleinstadt in Österreich, umgeben von Vogelgezwitscher, aber mein Heimweh zieht mich nicht nach Siebenbürgen, sondern nach Budapest. Oft wache ich nachts mit Tränen in den Augen auf, weil ich von ihren Straßen geträumt habe. Für mich ist Budapest nicht nur ein Ort auf der Landkarte: Budapest ist ein Lebensgefühl.
In dieser Serie lade ich Sie ein, mein Budapest kennenzulernen. Wir werden nicht aus dem Fenster eines Touristenbusses schauen. Stattdessen zeige ich Ihnen die Stadt durch die einfachen, weltklasse Aromen der traditionellen ungarischen Bauernküche, durch vogelgefüllte Parks und die seelenvollsten Kaffeehäuser.
„Denn Budapest ist mehr als nur ein Ziel: Budapest ist ein Gefühl. Kommen Sie, lassen Sie uns gemeinsam sehen, was hinter der nächsten Ecke liegt.“