A conceptual collage for a travel blog: piano keys on one side and a woman with a backpack walking toward St. Stephen's Basilica on the other, overlaid on a background of railway tracks, symbolizing a life-changing journey to Budapest.

Vom Klavier zum Rucksack - Allein in der Menge

„Ich kam nicht als Touristin, und ich kehre nicht als Besucherin zurück. Einst überschritt ich die Grenze mit nur tausend Forint in der Tasche und Angst im Herzen - doch Budapest hat mich nicht verschlungen, es hat mich zum Leben erweckt. Begleiten Sie mich dorthin, wo das Kopfsteinpflaster Geschichten erzählt und jeder Bissen eine Erinnerung hütet.“

Da stand ich in der monumentalen Halle des Budapester Ostbahnhofs (Keleti pályaudvar), mit nichts als einem Rucksack, ein wenig Wechselwäsche und den belegten Broten aus der Heimat, die mein Vater für mich eingepackt hatte. In Großwardein (Oradea) hatte ich ein Leben im Eiltempo geführt: Tagsüber gab ich Klavierunterricht und Privatstunden, nachts arbeitete ich als Telefonistin für das größte Taxiunternehmen der Stadt, und meine Wochenenden verbrachte ich am Kolleg für katholische Religionspädagogen. Obwohl wir in einer Großstadt lebten, hatte ich den Wert harter Arbeit während der Ferien auf dem Land bei meiner Großmutter und meinen Tanten gelernt. Schon mit zehn Jahren kümmerte ich mich um Tiere, arbeitete im Garten und lernte, wie ein Profi zu backen und zu kochen.

Trotz meiner Belastbarkeit fühlte sich Budapest bei der Ankunft fremd und beängstigend an. Besonders schmerzhaft war das Wissen, dass meine Mutter ebenfalls in dieser Stadt bei meiner Schwester lebte, wir aber aufgrund eines schweren finanziellen Familienzwistes vor fünf Jahren nicht mehr miteinander sprachen. Ich kannte weder ihre Adresse noch hatte ich die Telefonnummer meiner Mutter. Wir liebten uns sehr, aber wir sahen uns nur an jenen seltenen Tagen, an denen sie uns in Oradea besuchte. So war ich in der ungarischen Hauptstadt völlig auf mich allein gestellt.

Sofort wählte ich die Nummer einer Arbeitsvermittlung, die mir Bekannte empfohlen hatten und die speziell siebenbürgischen Ungarn half. Ihr Sitz war ein ziemlich heruntergekommener Ort direkt neben dem Bahnhof, aber sie boten mir einen Schlafplatz an. Eine Nacht kostete 1.000 Forint - genau der Betrag, den ich als mein gesamtes Hab und Gut bei mir trug. Da ich nicht im Voraus bezahlen konnte, vereinbarten wir, dass der Betrag von meinem ersten Lohn abgezogen wird.

Ich war nicht wählerisch. Selbst mit einem Diplom in der Tasche war ich zu jeder schweren körperlichen Arbeit bereit, um meine Schulden zu begleichen und meinen Eltern zu helfen, deren Rente kaum zum Überleben reichte. Noch am selben Tag erhielt ich ein Angebot: Jemand wurde dringend für eine zweimonatige Vertretung gesucht. Ich war erleichtert, vor allem, weil die Arbeit auf dem Land lag, weit weg vom Budapester Trubel.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg ins Ungewisse. Damals ahnte ich noch nicht, dass dieser Umweg die erste echte Prüfung für meine Entschlossenheit sein würde. Wie würde sich eine Klavierlehrerin in der Welt der harten körperlichen Arbeit schlagen?

 

„Denn Budapest ist mehr als nur ein Ziel: Budapest ist ein Gefühl. Kommen Sie, lassen Sie uns gemeinsam sehen, was hinter der nächsten Ecke liegt.“

 

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